Über mich und mein Konzept als Spielraumgestalter:

Schon während meiner Tätigkeit als Erzieher im Frankfurter KITA-Projekt (1972 – 78), das sich an der Kinderladen-Bewegung orientierte, beschäftigte mich die Gestaltung der KITA-Räume für die Kinder. Nach einer Schreiner-Ausbildung Anfang der 80er Jahre und intensiver Auseinandersetzung mit der einschlägigen pädagogischen Diskussion habe ich dieses Thema dann zum Beruf gemacht.

Mein Konzept lässt sich ganz kurz zusammenfassen: Spiel- und Lernräume für Kinder sollten nicht perfekt im Sinne von fertig und durchgestaltet, sondern eher wie Baustellen, Werkstätten oder Ateliers, eben gemeinsame Arbeitsstätten sein, bewegt und offen für Veränderungen, Ergänzungen und Umdeutungen und geöffnet zur Welt!

Dass die Gestaltung der Räume und dass die Regeln, die in ihnen gelten, sich vorrangig an den Bedürfnissen der Kinder statt an technischen, verwaltungsmäßigen und hygienischen Gesichtspunkten orientieren, ja, dass die Kinder sie mitbestimmen, war bis in die 80er Jahre hinein eher die Ausnahme. Kein Wunder, dass unter Raumgestaltung in der damaligen Reform des „Elementarbereichs“ vorwiegend die Schaffung von Rückzugsräumen und Funktionsecken verstanden wurde: Rückzug und Freispiel waren nichts anderes als eine begrenzte Rücknahme von Erwachsenenkontrolle und eine ebenfalls sehr begrenzte Zulassung von selbst bestimmten Zonen der Kinder! Kleinräumige, mehrstöckige Spieleinbauten in jedem Gruppenraum schienen die Ideallösung, zumal sie die Kinder in selbstgenügsamen Rollenspielen befriedeten und die Erzieherinnen entlasteten. Meine Arbeit bewegte sich über lange Strecken in diesem Rahmen. Es hat mich immer gereizt, ihn zu sprengen.

Immerhin kam in die Kindergarten-Landschaft zunehmend Bewegung: Angestoßen von der Kinderladenbewegung und den Bildungsreformbestrebungen der 70er Jahre, vorangetrieben durch den Situationansatz und durch die ersten, von Erzieherinnen selbst organisierten Versuche, die Abschottung der Gruppen(räume) zu überwinden und mit den Kindern das „ganze Haus“ in Besitz zu nehmen. Die Offene Arbeit ist heute ein weit verbreitetes und erfolgreiches pädagogisches Konzept.
Die Kunde von der phantastischen Entfesselung kindlicher Kreativität in den kommunalen Kindertagesstätten von Reggio Emilia war ein inspirierendes Signal, nicht zuletzt, weil sie sich zusammen mit schönen Bildern aus deren Räumen und mit dem Zitat vom Raum als dem dritten Erzieher verbreitete. Auch die Vorläufer Malaguzzis, die großen Reformpädagogen Maria Montessori und Celestin Freinet wurden wieder entdeckt.

Selbst die Bewegungsbaustelle hatte – oft vergessene - Vorläufer in den Großbausteinen und sonstigen mobilen Elementen der Bruderhofwerkstätten und in der Arbeit von Elfriede Hengstenberg.

Was alle diese reformpädagogischen Ansätze miteinander verbindet, ist das Zutrauen in die Fähigkeit der Kinder zur Selbstbildung (oder meinetwegen auch zur Kokonstruktion), wie es heute heißt. Hierher gehört auch der Name Emmi Pikler. Sie und ihre Nachfolgerin Anna Tardos zeigen uns darüber hinaus, dass gute Vorsätze allein nicht genügen, dass wir Erwachsenen Verhaltensmuster ändern, den Respekt vor dem Kind einüben müssen.

Den Schleier der bequemen Täuschung, dass Kinder am besten abgeschirmt und in Schonräumen gedeihen, hat dann Donata Elschenbroich gründlich gelüftet. Sie hat in Weltwissen der Siebenjährigen aufgezeigt, dass Kinder die ganze, wirkliche Welt brauchen, oder doch eine wesentlich gehaltvollere Auswahl davon! In ihrem Buch hat mich besonders nachhaltig der Abschnitt über die Hände beeindruckt.

Daraufhin bin ich der Rolle der Hände in der Geschichte der Menschheit und in der Lerngeschichte jedes einzelnen nachgegangen und fand bestätigt: Die Hände sind nicht unser einziges, aber unser vornehmstes Lernwerkzeug. Ihre Leistungen sind mit all unseren geistigen und kulturellen Fähigkeiten verwoben. In der Pädagogik sollte jedenfalls gelten: Lernen, denken, erfinden und gestalten fangen nicht mit Stillsitzen, sondern mit Handeln an.

Die vorbereitete Umgebung muss nicht nur die freie Bewegungsentwicklung ermöglichen, sondern daneben und darüber hinaus auch gewährleisten, dass die Kinder auf die Dinge der Welt zugreifen, sie handhaben und ein Stück in Bewegung setzen können. Nicht die Vielzahl der Dinge, sondern ihre direkte, sinnliche Zugänglichkeit und Verfügbarkeit sind entscheidend! Mit anderen Worten: Die Hände der Kinder brauchen Materialien, auch Abfälle, einfache Werkzeuge, Räume - und in all dem auch deren Widerständigkeit -, die sie herausfordern, an und in denen sie frei probieren und üben können, und dazu das Zutrauen, die Toleranz und den Respekt der Erwachsenen für ihre Tätigkeit. Darüber hinaus brauchen Kinder die Anschauung von Beispielen realer Produktion und die Vorbilder geübter Hände!

Für die praktische Umsetzung solcher Zielvorstellungen habe ich Workshops mit Erzieherinnen und mit Kindern veranstaltet:
Mit Erzieherinnen habe ich den Gebrauch von Werkzeugen und die Bearbeitung von Holzwerkstoffen anhand der gemeinsamen Herstellung einfacher Ausstattungselemente (Podestelemente, Tastwände, Staffeleien usw.) geübt.
In bisher zwei Kindergärten habe ich jeweils mehrere Monate lang 2 – 3 Stunden wöchentlich Holzreste, Werkzeuge (hauptsächlich Sägen), Kleber und improvisierte Werkplätze zur Verfügung gestellt, den Kindern Anleitung im Gebrauch der Werkzeuge gegeben und sie sonst frei arbeiten lassen.

Zuletzt geändert: Wednesday, 28-Apr-2010 13:50:32 CEST